Habt Ihr schon einmal mit Hundewelpen gespielt? Mit Seelöwen zu Tauchen ist ganz ähnlich. Einfach nur toll und am liebsten möchte man am Schluss einen Seelöwen mit nach Hause nehmen. Aber nur selten hat man Gelegenheit, mit diesen wunderbaren Tieren zu tauchen. Meistens sieht man beim Tauchen unterschiedliche Fischarten. Aber die meisten Fische halten gebührend Abstand, verstecken sich in Höhlen oder ziehen einfach nur ihre Bahnen, wenn ein Taucher vorbeikommt. Ganz anders verhält es sich, wenn man mit Meeressäugern tauchen geht, also Delfinen, Walen oder Robben. Sie sind nicht nur deutlich größer als die meisten Fische sondern auch viel neugieriger. Ganz besonders neugierig und fast schon frech sind Seelöwen. Sie kommen sehr nah heran, kopieren die Bewegungen der Taucher und fordern einen gelegentlich zum Spielen auf.
Auf meinem Weg von Exmouth nach Perth komme ich noch einmal in Jurien Bay vorbei. Hier habe ich bereits auf meinem Weg nach Norden Halt gemacht. In Jurien Bay betreibt Ian Styles sein Unternehmen „Jurien Fishing & Dive Charters“. Er bietet Tauchausfahrten zu einer kleinen Insel an, auf der Australische Seelöwen (Neophoca cinerea) leben. Sie heißen nicht nur „Australische Seelöwen“, weil sie in Australien leben. Sie sind eine eigene Art, die es nur in Australien gibt, und in keinem anderen Land. Als Ian mit uns an der Insel ankommt, sehen wir schon eine große Seelöwenfamilie am Strand. Der Seelöwenbulle – also der Vater - ist riesig groß. Er liegt im Sand und schaut nur gelegentlich auf, wenn etwas Unruhe in die Gruppe kommt. Männliche Seelöwen können immerhin bis zu 300kg schwer und 2,5 Metern lang werden. Die restlichen Tiere sind Weibchen - die deutlich kleiner sind und nur bis zu 110kg wiegen – und ihre Jungtiere. Kaum haben die Seelöwen uns entdeckt, springen einige ins Wasser und warten schon ungeduldig darauf, dass die Schnorchler und Taucher ihnen folgen. Im Meer fühlen Seelöwen sich wohl, das kann man sehen. Sie schießen auf uns zu, drehen Kreise und Spiralen um uns und schauen uns in die Tauchmasken.
Meine Unterwasserkamera mögen sie besonders gerne. Im Frontglas spiegeln sich die Seelöwen und denken, ich sei ein Artgenosse. Daraufhin werde ich natürlich intensiv begutachtet. Ein Weibchen versucht in meine Kamera zu beißen, danach werden meine Blitze untersucht, die ja immer wieder so schön leuchten.
Kurz darauf schwimmt sie um mich herum, um mal zu schauen, ob das Seelöwengesicht auch einen Seelöwenkörper hat. Wenig später sehe ich zwei Seelöwen neben einander in eine Sandkuhle liegen. Als ich näher komme sehe ich, dass es ein Weibchen mit ihrem Kind ist. Sie schauen mich interessiert an und lassen mich ganz nahe an sie herankommen. Dann machen sie ein paar Flossenschläge und fliegen mit atemberaubender Geschwindigkeit durch das Wasser. So „spielen“ wir mit den Seelöwen eine ganze Weile. Als wir schließlich zu frieren beginnen – denn das Wasser ist nur 22°C warm – gehen wir wieder an Bord unseres Bootes und fahren zurück in Richtung Jurien Bay. Eine Seelöwendame folgt unserem Boot noch eine Weile und streckt immer wieder den Kopf aus dem Wasser. Sie scheint zu sagen: „Wie, ihr geht schon wieder? Jetzt war es doch gerade so schön!“
Weitere Bilder von Australischen Seelöwen könnt Ihr in der Galerie anschauen.
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