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Start Artikel Australien 2010 Geographe Bay – Wein, Käse, Olivenöl und hohe Wellen

Geographe Bay – Wein, Käse, Olivenöl und hohe Wellen

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AUS_WA_ROC_2010_0024 Nach mehreren Wochen in den heißen und kargen Regionen Westaustraliens, breche ich nun auf  in das Land von Milch und Honig – naja, so ungefähr. Der Südwesten des fünften Kontinents steht nun auf dem Programm. Er ist bekannt für mediterrane bis gemäßigte Temperaturen, seine hervorragenden Weine, Oliven, seinen Käse und vieles mehr. Den Startpunkt meiner Etappe durch diese Region ist Rockingham, eine kleine Stadt etwa eine Stunde südlich von Perth. Doch den Temperaturunterschied merke ich gleich: Dunkle Wolken, Nieselregen und Pinguine empfangen mich. Ja, richtig gelesen Pinguine. Wo kommen die denn her? War ich nicht gestern erst noch wenige Kilometer entfernt bei über 30°C unterwegs?

Passenderweise leben diese Pinguine auf Penguin Island vor der Küste Rockinghams. Die Insel beheimatet eine der nördlichsten Pinguinkolonien der Erde. Hierbei handelt es sich um eine Art mit dem englischen Namen „Little Penguin“, und in der Tat, sind die Tiere relativ klein. Ich bekomme sie sowieso nur in der Pinguinaufzuchtstation zu Gesicht. Die freilebenden Verwandten sind gerade beim Fischen draußen auf dem Meer und kehren erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder an Land zurück. Also genieße ich etwas Zeit mit den niedlichen Gesellen in der Aufzucht- und Pflegestation.

AUS_WA_GEO_2010_0160 Die nächste Etappe führt mich nach Bunbury und Busselton. Diese beiden Städte liegen gute 200km südlich von Perth und sind die Zentren der Geographe Bay. Benannt wurde die Bucht nach einem der beiden Schiffe des französischen Forschungsreisenden Nicolas Baudin, der „Le Géographe“. Baudin bereiste Australien in den Jahren 1801 – 1803, um dort die Küste zu kartographieren und zoologische und botanische Bestimmungen durchzuführen. Letztendlich ging es dem französischen Kaiser darum, auf Basis des Kartenmaterials Gebietsansprüche geltend zu machen. Wie wir alle wissen, ist Australien keine französische Kolonie geworden. Geblieben sind aber zahlreiche französische Namen von Orten, Flüssen, Buchten etc. Es ist immer wieder ein Spaß zu hören, wie die Australier diese Namen heute aussprechen. Sehr französisch klingt das nicht mehr :-)

Doch zurück nach Bunbury und Busselton. Erstere ist die drittgrößte Stadt Westaustraliens. Letztere ist ein vergleichsweise kleiner Ort, der vor allem als Feriengebiet und durch seine lange Seebrücke – Busselton Jetty - bekannt ist. Die Hauptattraktion der Gegend ist jedoch keine der beiden Städte. Primär ist die Gegend für ihre Köstlichkeiten bekannt. Im Hinterland von Bunbury liegt die Weinregion Ferguson Valley, unweit von Busselton die weltbekannten Weingüter von Margarete River. Ferner gibt es eine Schokoladenfabrik, Käsereien, Olivenplantagen und vieles mehr. Ich konzentriere mich auf Wein und Schokolade. Und so besuche zunächst einmal zwei Weingüter in der Region, Willow Bridge im Ferguson Valley und Moss Brothers in Margarete River. AUS_WA_GEO_2010_0247 Die Weine beider Häuser kenne ich bereits aus dem AustralienWinestore (www.australienwinestore.de) in Frankfurt. Selbstverständlich koste ich einige Weine und kaufe auch ein paar Flaschen. Die Winzer sind sehr freundlich und nachdem ich ihnen erzählt habe, dass mir ihre Weine nicht unbekannt sind, führen sie mich durch ihre Häuser und Weinberge. Bei einem weiteren Weingut muss ich jedoch einfach noch stoppen. Es heißt „Saracen Estate“ und verfügt über eine angeschlossene Brauerei namens „Duckstein“ (vermutlich die Australische Version von „Dachstein“). Gleich an der Hauptstraße wird man von in Bronze gegossenen Sarazenischen Reitern begrüßt. Die Auffahrt führt sichelförmig um einen künstlich angelegten See und wird von in Stein gefassten Beeten mit Lavendel gesäumt. Das Haupthaus aus Natursteinen verfügt über eine Terrasse entlang des Sees, riesiges Kaminzimmer und zwei Eingänge: Einen zur Brauerei und einen zum Weingut. AUS_WA_GEO_2010_0275 In der sehr modern anmutenden Brauerei fällt mir eine „Bier & Wein Karte“ mit deutscher Flagge im Emblem auf. Ganz im Kontrast zu dem mediterranen Äußeren des Anwesens wird hier Hefeweizen vom Fass, Haxe und Sauerkraut serviert. Ich muss aber gestehen, dass Saracen Estate trotz seines bunten Mixes europäischer Elemente sehr edel wirkt und einen gewissen Charme hat. Trotzdem, Haxe mit Kraut muss ich mir nicht unbedingt antun und so fahre ich weiter zur Schokoladenfabrik. Bis vor einigen Jahren soll sie noch in Schweizer Hand gewesen sein; heute ist sie angeblich rein australisch. Da Ostern naht, läuft die Produktion der Schoko-Osterhasen auf vollen Touren. Wie schon beim Wein, war auch hier eifriges Probieren angesagt: „Wie schmeckt noch mal diese?“ Ah ja, und jene, wie war die noch einmal?“, „Aprikosen im Schokoladenmantel, ja daran wäre ich interessiert. Ob ich einmal probieren möchte? Aber sicher doch !“ Nach dem Besuch lasse ich das Mittagessen erst einmal ausfallen und fahre gleich in Richtung Nationalpark weiter. Ein wenig Bewegung kann jetzt nicht schaden.

Der Leeuwin-Naturaliste National Park erstreckt sich entlang der letzten gut 100km Westküste Australiens von Cape Naturaliste bis zur Südwestlisten Ecke Australien, dem Cape Leeuwin. Zur Geographe Bay gehört somit eigentlich nur der nördlichste Teil des Parks. Ich verbringe einige Zeit an den beachtenswerten Küstenabschnitten Canal Rocks und Sugarloaf Rock, besuche den Cape Naturaliste Leuchtturm und die Tropfsteinhöhle Ngilgi Cave. Die Küste ist vor allem am späten Nachmittag beeindruckend, wenn die Felsen im Licht der untergehenden Sonne zu leuchten beginnen. Ich verbringe dort zwei Spätnachmittage bzw. Abende, um Fotos zu machen. Bis auf die zahlreichen Moskitos und dem doch sehr kalten Wind ist das wunderschön. Leuchttürme haben natürlich ihre ganz eigene Faszination und so ist Cape Naturalist Lighthouse auch nicht der letzte, auf den ich hinaufsteige. Die Tour ist recht informativ und der Blick vom Turm über die umliegende Küstenlandschaft ist beeindruckend. Tropfsteinhöhlen gibt es im Gebiet des Nationalparks einige. Ich entscheide mich angesichts sehr sportlicher Eintrittspreise von 18 Dollar pro Person für nur eine Höhle, besagte Ngilgi Cave. Bis zu 11 Stockwerken in die Tiefe muss man klettern, um in die Hauptkammer der Höhle zu kommen. Aber die Mühe lohnt sich.

AUS_WA_GEO_2010_0442 Nach so viel Essen und Besichtigen ist mir nach einer Pause zumute. Und so fahre ich ein Stück nach Süden, an die Küste von Margarete River. Dort verbringe ich einen Nachmittag in einem Strandcafe und schaue den Kite-Surfern zu. Sie stehen auf ihrem Surfboard und steuern einen Gleitschirm, der sie mit atemberaubender Geschwindigkeit über das Wasser zieht. Ich sitze im Windschatten und genieße die Aussicht. Erholt fahre ich wieder auf meinen Campingplatz (Mandalay Park – sehr empfehlenswert) nach Busselton zurück, dem Ausgangspunkt meiner Touren durch die Region.

 

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