Niels Feldmann Photography

  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Start Artikel Verschiedenes Haiforschung per Satellit

Haiforschung per Satellit

E-Mail Drucken PDF

Seit drei Stunden sitzen Richard, Dean und John in ihrem kleinen Schlauchboot im Pazifischen Ozean. Lediglich ein kleiner Sonnenschirm schützt sie vor der sengenden australischen Sonne. Endlich – lautlos durchschneidet die Rückenflosse eines Hais die Wasseroberfläche. Der Hai schwimmt auf das Schlauchboot zu und Richard greift zum Seil . . 

Aber lassen wir die Geschichte von vorne beginnen: Unsere Tour startet an der Wharf in Port Douglas, Australien. An Bord des Tauch- und Forschungsschiffs Undersea Explorer erklärt unser Kapitän das Ziel unserer neuntägigen Safari: Raine Island, eine Insel fernab jeglicher Zivilisation. Die Australier nennen diese Region nur „The Far North“ – der weite Norden. Dort will der Meeresbiologe Richard Fitzpatrick seine Angel auswerfen und nichts Kleineres als einen bis zu fünf Meter langen Tigerhai fangen. Richard untersucht derzeit die Wanderrouten von Tigerhaien und muss dafür einige Exemplare mit Satellitensendern versehen – und genau dies hat er für unsere Tour geplant.

Köder für Tigerhai Nach drei Nachtfahrten und mehreren Tauchausflügen nähern wir uns Raine Island. Schon morgens um 5.00 Uhr treffen wir uns an Deck, um im Sonnenaufgang die 800 Meter lange und 200 Meter breite Insel mit ihrem etwa 150 Jahre alten Markierungsturm zu begrüßen. Wegen ihrer Lage ist die Insel der einzige Ort für Wasservögel, an dem sie schlafen und brüten können. Besonders auffällig sind auch die unzähligen Schildkrötenspuren am Strand. Für Suppenschildkröten (Green Turtles) ist Raine Island der wichtigste Nestplatz der Welt. In der Hochsaison kommen Tausende pro Nacht an Land und legen im Sand Eier ab. Wegen der Schildkröten tummeln sich auch viele Tigerhaie in dieser Region. Diese Räuber suchen Tiere, die nach der Eiablage geschwächt sind. Halbtote Schildkröten sind eine einfache Beute. Deshalb ist hier der ideale Platz, um Haie zu fangen und sie mit Satellitensendern zu markieren.

Doch wie fängt man nun einen solchen Brocken? Richard und sein Team gehen einfach angeln – aber eben auf die australische Art. Der Köder ist ein halber Thunfisch, der Angelhaken eine Stahlkette, der Schwimmer eine Boje, und die Angelschnur besteht aus einem Tau. Eine Angelrute gibt es nicht, dafür wird ein Schlauchboot ans andere Ende der Schnur gebunden. Hier drin sitzen Richard, Dean und John nun seit drei Stunden. Dann taucht die Flosse auf.

Tigershark_9 Eine halbe Stunde lässt sich das Tier Zeit, bis es mit chirurgischer Präzision ein Stück aus dem Thunfisch heraus beißt – ohne Blutrausch und sprudelndes Wasser. Richard greift zu einem Stab, an dem eine U-förmige Schelle mit Schließmechanismus befestigt ist. Als sich der Hai zum zweiten Biss nähert, ist der Augenblick gekommen. Richard zielt mit der U-förmigen Schelle auf die schmale Stelle am Rumpf, an der die Schwanzflosse des Tieres ansetzt. Er stößt zu und die Schelle schnappt zu – der Hai sitzt in der Falle. Mit einem Seil wird der Schwanz des Haies an die Wasseroberfläche gezogen. Ohne seine mächtige Flosse ist der Tigerhai nahezu bewegungslos. Das gesamte Paket inklusive Schlauchboot, Boje und Hai wird zu der wartenden Undersea Explorer gefahren.

Gefangener Tigerhai Dort wehrt sich die 3,5 Meter lange Haidame 20 Minuten lang, bis es Richard und seinem Team gelingt, sie an der Tauchplattform des Schiffs festzubinden. Dann markiert der Wissenschaftler die Stelle an der Rückenflosse für den Satellitensender. Mit einem handelsüblichen Akkubohrer bohrt er zwei Löcher in die Flosse. Später erklärt er uns, dass sich an jenen Stellen nur Knorpelgewebe befindet. Unsere Haidame, die wir inzwischen Linda getauft haben – nach der Frau unseres Kapitäns  – spürt kaum etwas.
Zwei Edelstahlschrauben fixieren den Sender an der Flosse. Linda ist derweil leicht benommen, weil sie ohne Bewegung nicht genügend mit Sauerstoff versorgt ist. Richard und John steigen mit Tauchausrüstung ins Wasser, packen Linda an Schwanzflosse und Rücken und schieben sie bis auf eine Tiefe von 30 Metern an. Wieder etwas munterer verschwindet sie in den Weiten des Pazifischen Ozeans.

Tigershark_12 Zurück an Bord sind alle völlig aus dem Häuschen. Wir begießen den Erfolg der Aktion mit australischem Bier und feiern bis in den späten Abend. Jedes Mal, wenn Lindas Rückenflosse die Wasseroberfläche durchbricht, funkt der Sender ein Signal an den Satelliten. Auf diese Weise kann Richard über die nächsten drei Monate ihre Wanderroute verfolgen, dann sind die Batterien erschöpft.


 

Anmerkung:

Die oben beschriebene Tour wird heute von Eye-to-Eye Marine Encounters organisiert. Eine Beschreibung des Anbieters ist im Bereich Partner zu finden.

 

Galerien

Newsletter


Banner